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Bauerschaften

05.10.2010, 16:00 Uhr
 
Landschaft und Natur der Bauernschaft Hangenau

Der Hangenau unterscheidet sich landschaftlich nur wenig von den anderen Teilen Bulderns. Buldern liegt im Kleimünsterland, d. h. hier gibt es fette Böden, Lehmböden, Mergelböden. Dies hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Natur. Die Landschaft des Hangenau besteht zum größten Teil aus Ackerland, auf dem vorwiegend Getreide und Mais angebaut werden. Kartoffelfelder wird man hier nicht finden wie in Merfeld, das schon im Sandmünsterland liegt. Der Grünlandanteil, also Wiesen und Weiden, sind in den letzten Jahrzehnten auch hier mächtig zurückgegangen. Feld- und Wiesenvögel gibt es daher kaum noch. Vor Jahren habe ich noch eine Feldlerche gehört, jetzt aber schon lange nicht mehr. Vergeblich wird man Ausschau halten nach Kornblume und Klatschmohn. An den Maisäckern findet man häufig unsere alte Heilpflanze, die Kamille.

In diese Ackerlandschaft passen die großen Bauernhöfe, die gottlob noch Lebensräume für etliche Tiere bieten: Jeder Bauernhof hat wahrscheinlich noch sein Bachstelzenpärchen, seine Spatzen und Meisen. Auf vielen Höfen wird die Schleiereule auf den Dach- oder Scheunenböden brüten, wenn ein Eulenloch vorhanden ist. Sie hält den Ratten- und Mäusebestand in Grenzen. Wenn der Hof noch eine Obstwiese hat, ist meist auch der Steinkauz nicht weit. Hat der Hof noch offene Pferde- und Rinderställe, dann können in ihnen auch unsere beliebten Rauchschwalben noch ihre Nester ankleben. In den vielen Ritzen und Spalten der bäuerlichen Gebäude finden die Fledermäuse reichlich Unterkunft.

Eingebettet in diese Ackerlandschaft sind kleine Waldstücke, meist Buchenbestände (früher die „Spardosen der Bauern“ genannt). Damit die Buchen keine allzu nassen Füße bekommen, sind Gräben herumgezogen. Das einzige große Waldgebiet ist der Engert, wie alle großen Waldgebiete in Buldern im Romberg’schen Besitz. Die Waldstücke sind Brut-, Nahrungs- und Rückzugsgebiet für etliche Tiere: Rehe, Hasen, Kaninchen, Eichhörnchen, Igel. Die Vogelwelt des Waldes, Waldkauz, Eichelhäher, Buntspecht, Grünspecht, Kleiber, Misteldrossel, lässt sich – mit etwas Geduld beobachten oder vernehmen. Der Uhu von Buldern - der in der Tongrube in Rödder horstet - wird hier auch jagen. Der Bussard kreist über den Feldern. Der Turmfalke rüttelt in der Luft, um eine Maus zu packen.

Wichtig für eine Landschaft sind die so genannten Linienbiotope, von denen die Wasserläufe die wichtigsten sind. Sie sind die Lebensadern der Landschaft. Im Hangenau gibt es 2 Bäche: den Nonnenbach als Grenzbach zu Appelhülsen und Senden und den Hagenbach. (Anmerkung: Es gibt in Buldern zwei Bäche mit der Bezeichnung „Hagenbach“: der „große“ Hagenbach, der 1998 Buldern das Hochwasser bescherte, der von Darup kommend am Ortsausgang von Buldern in Richtung Dülmen in den Kleuterbach mündet, und der „kleine“ Hagenbach im Hangenau. Der „kleine“ Hagenbach hat wohl seine Quelle an der Autobahn beim Hof Mergelkamp. Er fließt am Hof Große Hülsewiesche vorbei nach Süden und mündet in der Dorfbauernschaft Hiddingsel in den Nonnenbach. (Anmerkung: Beide Bäche sind im Steverauenprogramm, das für eine Renaturierung der Bäche sorgen soll.)

Daneben gibt es noch viele kleine Gräben, die nur gelegentlich Wasser führen und der Entwässerung dienen.

Ein anderes Linienbiotop sind die Wegränder mit ihren vielen Kräutern und Blumen. Von ganz großer Bedeutung für die Natur sind die Hecken. Wir finden – wenn auch leider zu selten – noch wunderbare Hecken im Hangenau. Hier haben Fasane, Hasen, Igel und andere Kleinsäuger ihre Behausungen, Nahrungsplätze und Deckungsmöglichkeiten. Hier ist der Brut- und Nahrungsplatz für viele Vögel: Goldammer, Amsel, Drossel, Garten- und Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Heckenbraunelle. Ja sogar die Nachtigall kann man hier hören. Sie brütet wahrscheinlich an einem anderen wichtigen Linienbiotop, der Bahnlinie. Die Bahnlinie ist mit ihren Gebüschen ein hervorragendes Biotop für viele Vogelarten. Zwar hat die Natur durch die Gleisarbeiten 2007/08 mächtig gelitten, aber sie wird sich – so ist zu hoffen - in den nächsten Jahren wieder davon erholen. (In Klammern angemerkt: Der Bahndamm in Buldern entlang der Raiffeisensiedlung ist weitgehend ein Schandfleck für Buldern. Hier gilt es, etwas zu verbessern!)

In den Hecken suchen auch heute noch manche Menschen nach den Früchten der Natur; sie bieten reichlich Brombeeren, Hagebutten, Haselnüsse, Holunder und Schlehen.

Was wir kaum im Hangenau finden, sind Kleingewässer. Meines Wissens ist der Teich bei Große Gorgemann das einzige. Froschkonzerte sind hier eher selten zu hören. Es fehlen hier die alten Mergelkuhlen, von denen es in den Bauernschaften rund um Buldern – vor allem in Limbergen - mehr als 100 gab.

Gewässer sind immer eine Attraktion in der Landschaft. Wenn auch diese im Hangenau weitgehend nicht vorhanden sind, so lohnt es doch, mal hin und wieder eine Radtour durch den Hangenau zu machen, vor allem wenn man ein Auge für die Blumenwelt hat.

Im Frühjahr blühen hier Schneeglöckchen, Schlüsselblumen, Buschwindröschen, Moschuskraut, Waldsauerklee, Veilchen, Scharbockskraut, Wiesenschaumkraut, Salomonssiegel und sogar der Bärlauch, den es sonst in Buldern nicht gibt.

In einem Waldstück verborgen blüht auch die etwas seltenere Einbeere mit dem schönen lateinischen Namen „Paris quadrifolia“.

Im Engert kann man das Immergrün und den Waldmeister finden. (Der Engert eignet sich leider nicht für Radfahrten und Spaziergänge wegen seiner sehr feuchten Wege.) Eine Augenweide sind auch die blühenden Hecken.

Im Sommer sehen wir in den feuchten Gräben die Iris, das Mädesüß, den Gilbweiderich, den Blutweiderich, den Bärenklau und den Wasserdost, die beiden letzteren Sammelpunkte für viele Schmetterling und andere Insekten. Auch im Spätsommer und Herbst bieten die Hecken mit ihren Früchten einen prächtigen Anblick, und manchen reizt es ja auch, mal von den süßen Brombeeren zu naschen oder Holunderbeeren zur Safterzeugung mitzunehmen oder mal in die bittere Frucht der Schlehe zu beißen, dass sich der Mund zusammenzieht. Man kann die Schlehen aber auch mit Schnaps aufsetzen, um so ein herrliches „Schlehenfeuer“ für kalte Winterabende zu bekommen. Leider werden wir im Herbst nicht mehr die Herbstzeitlose zu Gesicht bekommen, die früher hier vorkam, wie ich von dem Naturschützer Hans David aus Dülmen und von Frau Agnes Wagner aus Buldern, die ja vom Hof Robersmann stammt, erfahren habe. (Anmerkung: Auch Herr Heinz Brinkschulte bestätigte auf der Radtour das frühere Vorkommen).

Eine Spazierfahrt kann auch ein Ausflug ins Reich der Düfte werden, denn manche Pflanzen haben ihren eigenen typischen Geruch: Bärlauch (nach Knoblauch riechend), Waldmeister, Mädesüß, Wasserdost, Holunder und vor allem der Weißdorn mit seinem berauschenden Duft.

 

 

Johannes Brunner

NABU Buldern
(Tellenstr. 10, 48249 Dülmen-Buldern,

Tel: 02590 / 1650)

 

PS: Ich bin dankbar für alle ergänzenden Beobachtungen der Tier- und Pflanzenwelt, die jemand früher gemacht hat oder künftig noch machen wird.

 

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